Von D&G bis hinzu einer U-Bahn Werbung in Berlin – Es fängt mit Klischees & Stereotypen an


Es ist noch nicht so lange her, da habt ihr sicherlich bei unseren Liebsten Diet Prada schon die News über D&G, welches übrigens für Dead&Gone nun steht, gehört. Falls nicht, dann hier eine kurze und knackige Zusammenfassung: Stefano Gabbana ist dafür bekannt tippwütig auf Instagram sein. Meistens mit seinem privaten Account, aber auch gerne mal mit dem offiziellen D&G Account mit denen er diverse Leute gerne, oft und meist auch unter der Gürtellinie beleidigt. Da macht er auch keinen Halt vor Rassismus, auch wenn eine große Show bevorsteht. Unter dem Hashtag #DGlovesChina, haben sie mehrere Clips veröffentlicht, in denen man sieht, wie ein Model asiatischer Herkunft in D&G gekleidet mit Stäbchen italienische Gerichte wie Pizza oder Cannelloni versucht zu essen, während im Off in Mandarin Witze gerissen werden. (Beispielsweise haben sie nicht Stäbchen gesagt, sondern diese ‚dünne Stöckchen‘ verwendet.) Das ging natürlich nach hinten los, denn es war wie vorauszusehen keine Hommage an die chinesische Kultur, sondern ein Mock-up. Diese Kritik lässt Stefano natürlich nicht auf sich sitzen und beschimpfte ganzes Land darauf als „Scheißland“ & war das sowie die obligatorische „Hundefresser“-Aussage hinterher. Der Shitstorm war riesig und die Show wurde sofort gecancelt, Model-Agenturen haben direkt ihre Talente eingesammelt, es kamen keine Gäste & die Venue sah aus als wäre eine Zombieapokalypse ausgebrochen.

Das ist ja nicht mal das Ende, denn nachdem man den Shitstorm und Stefano’s Fehltritt (wieder einmal) aufräumen musste, kam direkt das Statement, dass der Account von D&G und vor allem der von Stefano gehackt worden ist. In Großbuchstaben und in Rot schrieb er „NOT ME“, welches ungewollt nun unter den Fashionleuten ein ganz beliebter Insider geworden. Wer’s glaubt, der wird selig & die Konsequenzen sind schon sehr gut zu sehen. Mehr dazu gibt es ausführlich auf BEIGE sowie Diet Prada. Zudem gibt es auf Youtube von Asian Boss eine interessante Umfrage unter Chinesen*innen in Shanghai zu dem D&G Skandal, dies könnt ihr euch hier ansehen.

D&G oder besser bekannt als Dead & Gone

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

As @dolcegabbana prepares to mount their next runway show in Shanghai this coming evening (7:30PM) and the rest of Instagram fawns over what’s sure to be an overly lavish “love letter” to China, we’ll be wondering if we’ll see chopsticks as hair ornaments, take-out boxes as purses, or even kimonos misappropriated as Chinese costume. Time will tell. For now, we’ll let y’all simmer on this DM between Stefano and Dieter @michaelatranova (chronology is reversed in slides). Word has it that they’re still in the process of model casting (over 200 Asian girls scheduled)…wouldn’t let them walk the show if we were their agents lol. Also, curious what the Chinese government will think of their country being called shit basically…especially considering how strict they are on who to allow to enter the country on work visas based on a thorough social media background checks. • #DGTheGreatShow #DGlovesChina #runway #fashionshow #cancelled #racism #dolceandgabbana #altamoda #rtw #dgmillennials #stefanogabbana #shanghai #chinese #china #wtf #dumb #lame #asianmodel #asian #dietprada

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Es fängt mit Klischees & Stereotypen an…

Alltagsrassismus, Schubladendenken und vor allem veraltete Stereotype und Klischees sind leider immer noch präsent, doch durch diverse Debatten und Stimmen von People of Colors gibt es langsam aber stetig ein Umdenken. So welche Dinge werden nun nicht einfach mehr hingenommen, man redet darüber und es gibt oftmals, auch wenn nicht genug, Konsequenzen für solche Taten. Da macht es auch nicht Halt, vor einem Label wie D&G.

Nun stellt euch vor, ich komme gerade vom Essen und steige aus der U-Bahn aus und sehe die gleiche D&G Werbung, nur nicht für ein Luxurybrand, sondern für eine Firmam die Discounts für Restaurants anbietet. Auf dem Knallpinken Plakat zu sehen: Ein Model asiatischer Herkunft, der mit Stäbchen ganz aufgeregt die Pasta verschlingt. Er trägt dazu noch ein Karate / Judo / Taekwondo (i don’t know?) Anzug. Daneben steht ganz groß:

„Spaghetti mit Stäbchen? Hiro hat gerade entdeckt, wie weit er gehen kann? Was ist mit dir? „

Nun, wie Hiro hat sich wahrscheinlich die Agentur bzw. die Marketingabteilung gedacht, wie weit sie mit so einem veralteten Klischee gehen können. Vielleicht haben sie sich dabei auch eigentlich nicht viel gedacht, denn so, wie ich von meiner Konversation mit DiscoEat.de über Instagram herausgefunden habe, sind sie ja ein ganz internationales Team und sie hatten ganz viel Spaß bei dem Fotoshooting. Man könnte wieder mal sagen, „ach, das ist ja nur Spaaaaß…“ und „man muss sich darüber doch gar nicht aaaaaufregen…“ – Jaja. Ne. Nein. Ich rege mich darüber auf und ja, I am a #AngryAsianWoman.
Wieso, fragt ihr euch sicherlich? Nachdem ich schon den Sexismus bzw. über die Exotisierung asiatischer Frauen geschrieben hatte, gilt meine heutige Aufmerksamkeit den leidigen Vorurteilen. Nun, ich habe mich daran erinnert, wie man mich mal gefragt hat, ob ich denn weiß wie man mit Gabel und Messer esse (Anm.: weil ja alle Asiaten NUR mit Stäbchen essen). Dann ging es weiter mit Aussagen wie, das alle Asiaten auf dem Boden essen und eine Bekannte meinte, dass deren Hund ja nicht genießbar ist, weil mehr Fell als Fleisch dran ist. Ich erinnere mich auch an einen Mann, der zu mir mit voller Überzeugung sagte: „Wir haben damals den Chinesen gezeigt, dass man erst die Schale vom Reiskorn entfernen muss, bevor sie den Reis richtig genießen konnten.“
Mit WIR meinte er wohl nicht sich selbst, aber wahrscheinlich die ‚Großen Weißen Männer‚, die damals China entdeckt haben – oder wie auch immer.

Tja, so fängt es an. Mit simplen Klischees, Ideen & Kolonialzeitdenken, die man mal irgendwo aufgeschnappt hat, egal ob in der Familie, einer TV-Serie, der Bild-Zeitung oder auch einem Werbeplakat. Solche Dinge verfestigen sich, vor allem wenn man dies schon von klein auf lernt / hört / sieht. Es ist immer angenehmer, als zu hinterfragen oder selber zu denken. Und so rollt der Kackhaufen dann langsam aber mäßig, bis er so groß wird wie die Scheiße selber: Rassismus. Egal ob gewollt, oder nicht.

Meine Konversation mit DiscoEat

 


Awareness schaffen
& die Konversation am Leben halten

In meiner Konversation mit DiscoEat habe ich auch bemerkt, dass man trotz Entschuldigung, den Sündenbock D&G vorschiebt, dass die Leute es deswegen falsch auffassen. Zwar ist die Werbung dieser Firma ein anderer, die Targetgroup ist auch nicht in China, aber egal ob die Sache mit D&G passiert wäre, meine Auffassung dieses Plakates ist (leider) die Gleiche. Es ist exakt die gleiche Aussage, das gleiche Sinnbild vom Asiaten, der ja immer nur mit Stäbchen ist, weil folglich, er nicht weiß, dass man Spaghetti mit einer Gabel ist.

In unserem heutigen politischen Klima als auch den Diskussionen über Rassismus, die immer wieder in den Medien und im Alltag auftauchen, frage ich mich, wie konnte das passieren, dass keiner dies voraussehen hätte, können? Und da sind wir nun bei dem Bewusstsein (eng.: Awareness). Zu realisieren, dass es bestimmte gesellschaftliche Gruppen und Ethnien beleidigt, muss man nicht selber in dieser Gruppe sein. Es fängt bei Judenwitzen an, Blackface oder Indianer Kostüm beim Karneval, Augen klein ziehen auf Fotos oder eben bei der Umsetzung einer Werbung, die in ganz Berlin hängt. Man muss also nicht selber betroffen sein, um zu wissen, dass dies falsch ist – und da reicht ein internationales Team aus 12 Ländern auch nicht aus. Empathie, Sensibilisierung und Awareness sind hier das Stichwort & auch die Lösung.

Was ich mir nun von DiscoEat wünsche, wäre nicht nur das Bewusstsein für die darauffolgenden Kampagnen als auch privat, sowie die Aufrichtigkeit öffentlich sich zu entschuldigen, dass es falsch war, denn Essen verbindet definitiv Menschen aus aller Welt. Man kann so an Orte Reisen und in Kulturen eintauchen, ohne aus der Stadt rauszugehen, doch wie man sieht, können diese auch der Nährboden für Vorurteile, Stereotypen & schlimmeres, Rassismus, sein. Edit: Ein Austausch der Plakate durch süße Tierfotos mit Schleifen wäre auch sehr erwünscht.

Ich freue mich wie immer über Feedback, Anregungen, Sharing auf euren Plattformen & Erfahrungen, gerne öffentlich oder auch privat via Mail oder Instagram-DM. Und wieder können wir einfach nur darüber reden. Reden. Und Reden. Solange die Konversation nicht stehen bleibt, ist immer Bewegung mit drinnen. Schritt für Schritt, in die richtige Richtung. Love, your Angry Asian Alice.

Edit: Nach einigen Tagen des Aufruhrs und die Hilfe durch euch, haben wir es geschafft, DiscoEat dazu zu bewegen die Plakate runterzunehmen (siehe unten) – vielen Dank an dieser Stelle! Und denkt daran:

„Never believe that a few caring people can’t change the world.
For, indeed, that’s all who ever have.“ – Margaret Mead

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Photo Credit / Diet Prada / Alice M. Huynh
*The opinions expressed here represent, as always, my own.

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